Aal
Kaum ein heimischer Fisch hat eine so ungewöhnliche Lebensgeschichte wie der Aal. Sein schlangenförmiger, drehrunder Körper mit der durchgehenden, weit nach vorn reichenden Rücken-, Schwanz- und Afterflosse macht ihn unverwechselbar. Die Haut wirkt schuppenlos, tatsächlich sitzen aber winzige, tief eingebettete Schuppen darin, dazu ein dicker Schleimüberzug, der den Aal extrem glitschig macht. Je nach Lebensphase variiert die Farbe von olivgrün-bräunlich mit gelblichem Bauch (Gelbaal) bis zu silbrig-metallisch mit auffällig vergrößerten Augen (Blankaal) kurz vor der Wanderung ins Meer.
Was den Aal wirklich einzigartig macht, ist sein Wanderleben. Alle Europäischen Aale stammen aus demselben Laichgebiet: der Sargassosee im Westatlantik, tausende Kilometer von unseren Gewässern entfernt. Dort schlüpfen die durchsichtigen, weidenblattförmigen Larven und lassen sich über ein bis drei Jahre vom Golfstrom bis vor die europäischen Küsten treiben. Als Glasaale erreichen sie die Flussmündungen, verwandeln sich in kleine Aale und wandern oft über viele Jahre flussaufwärts – manche legen dabei sogar kurze Strecken über feuchtes Land zurück, um von einem Gewässer ins nächste zu gelangen. Im Süßwasser wachsen sie als Gelbaale zehn bis dreißig Jahre heran, ehe sie sich zum Blankaal wandeln und dieselbe weite Strecke zurück in die Sargassosee antreten – um dort abzulaichen und zu sterben. Dieses Wanderverhalten ist bis heute nicht vollständig erforscht.
Aale besiedeln nahezu jedes Gewässer – von kleinen Bächen über Seen und Flüsse bis zu brackigen Küstenbereichen. Tagsüber verstecken sie sich meist im Schlamm, unter Steinen oder zwischen Wurzeln und werden erst in der Dämmerung und Nacht aktiv. Diese Nachtaktivität sowie ihr ausgeprägter Geruchssinn machen sie zu vorsichtigen, aber sehr erfolgreichen Nahrungssuchern.
Auf dem Speiseplan steht so ziemlich alles, was der Aal überwältigen oder als Aas finden kann: Würmer, Insektenlarven, Kleinkrebse, Schnecken, kleinere Fische und deren Laich. Junge Aale ernähren sich zunächst überwiegend von wirbellosen Kleintieren, mit zunehmender Größe nimmt der Anteil an Fischnahrung zu.
Für die gezielte Aalangelei hat sich das Grundangeln in der Dämmerung und Nacht bewährt, am besten in Gewässernähe mit Unterständen wie Steinpackungen, Wurzeln oder Schilf. Als Köder eignen sich Tauwürmer, Köderfische und Fischfetzen besonders gut – frisch und mit kräftigem Eigengeruch fängt am zuverlässigsten. Da der Aal sehr empfindlich auf Erschütterungen reagiert, lohnt sich ruhiges, geduldiges Angeln mit feinfühliger Bissanzeige.
Der Bestand des Europäischen Aals gilt als stark gefährdet, weshalb Fang und Handel inzwischen EU-weit reguliert sind. Vor dem Angeln lohnt sich daher immer ein Blick in die aktuelle Gewässerordnung des jeweiligen Vereins – Schonzeiten und Mindestmaße können sich unterscheiden und werden gelegentlich angepasst.